
Anbohren,
anschließen,
fertig!
FAQ - Häufig gestellte Fragen zu Anbohrungen
Was bedeutet Anbohren unter Druck und Temperatur?
Beim Anbohren unter Druck und Temperatur wird eine in Betrieb befindliche Rohrleitung durch einen aufgeschweißten Anbohrkugelhahn hindurch aufgebohrt. So entsteht ein neuer Abgang, während das Medium mit vollem Druck und voller Temperatur weiterfließt. Bestehende Verbraucher bleiben versorgt. KÄHLER bietet dafür das NAVAL-Anbohrsystem mit Zubehör, Schulungen für Fachpersonal und den kompletten Anbohrservice zum Festpreis an.
Welche Vorteile hat das Anbohrverfahren gegenüber dem Einbau eines T-Stücks?
Beim konventionellen Weg wird die Leitung außer Betrieb genommen und entleert, ein Rohrstück herausgeschnitten, ein T-Stück eingeschweißt und die Leitung wieder befüllt und entlüftet. Beim Anbohren entfallen Abschaltung, Entleeren und Wiederbefüllen. Das spart Arbeitszeit, Wasser und Heizenergie. Bestandskunden bemerken keine Unterbrechung, eine Ersatzversorgung ist nicht nötig. Der Anbohrkugelhahn ersetzt zudem T-Stück und zusätzliche Absperrarmatur.
Für welche Aufgaben wird das Anbohrverfahren eingesetzt?
Typische Anwendungen sind Netzerweiterung und Netzverdichtung mit neuen Hausanschlüssen, das Anbringen von Mess- und Prüfstutzen, Bypässe, Entlüftungen und Entleerungen sowie provisorische Anschlüsse. Das Verfahren wird vor allem in Fernwärme- und Fernkältenetzen genutzt, außerdem in Industrieanlagen mit Kühlwasser, Druckluft oder nicht gefährlichen Ölen und Emulsionen.
Welche Voraussetzungen muss die Rohrleitung für eine Anbohrung erfüllen?
Angebohrt werden Stahlleitungen, auf die ein Anbohrkugelhahn aufgeschweißt werden kann. Das Verfahren ist für Betriebsdrücke bis 25 bar und Temperaturen von -30 °C bis +200 °C zugelassen, für Abgänge von DN20 bis DN200. Die Hauptleitung muss ein bis zwei Nennweiten größer sein als der neue Abgang. Die Rohrwand muss an der Anbohrstelle ausreichend dick und frei von Dopplungen sein, die Anbohrung darf nicht auf einer Schweißnaht liegen. Außerdem muss genug Platz für Anbohrgerät und Bohrmaschine vorhanden sein.
Wie läuft eine Anbohrung Schritt für Schritt ab?
Zuerst werden Medium, Druck, Temperatur, Rohrwerkstoff, Nennweiten, Platz und nächste Absperrung geklärt. Dann wird der Anbohrkugelhahn an die Rohrkrümmung angepasst und im Winkel von 90° zur Rohrachse aufgeschweißt. Das Anbohrgerät wird mit Adapter, Lochsäge und Zentrierbohrer montiert und die Dichtheit geprüft. Es folgen Zentrierbohrung und Hauptbohrung. Danach wird die Spindel zurückgezogen, der Hahn geschlossen und das Gerät abgenommen. Alles wird protokolliert.
Warum ist vor jeder Anbohrung eine Dichtheitsprüfung nötig?
Die Dichtheitsprüfung stellt sicher, dass beim Anbohren kein Medium unkontrolliert austritt. Über den Prüf- und Spülhahn werden mit Wasser oder Luft die Schweißnaht zwischen Leitung und Anbohrkugelhahn, die Schweißnähte am Hahn und alle Dichtstellen des Anbohrgeräts geprüft. Erst wenn alles dicht ist, wird gebohrt. Für die Prüfung mit Luftdruck bietet KÄHLER einen Prüfkoffer mit Akku-Kompressor, Manometer und Leckfinder-Spray an.
Was passiert mit dem ausgebohrten Rohrstück und den Spänen?
Der Zentrierbohrer in der Lochsäge hat eine Spreizfeder, die das ausgesägte Wandstück festhält, sodass es nicht in die Leitung fällt. Es wird nach dem Abnehmen des Geräts aus der Lochsäge entfernt. Die Bohrspäne werden während der Bohrung über den geöffneten Spülhahn mit dem Medium ausgespült und von einem Neodym-Magneten am Bohrer aufgefangen. So gelangen nahezu keine Späne in das Netz.
Was muss beim Aufschweißen des Anbohrkugelhahns beachtet werden?
Die Anschweißkontur des Hahns wird an den Krümmungsradius der Hauptleitung angepasst. Radial kann der Hahn in jeder Position von 0 bis 360 Grad sitzen, zur Rohrachse muss der Winkel exakt 90 Grad betragen. Er darf nicht auf eine Schweißnaht gesetzt werden, bei Bedarf wird der Anschluss mit einem Bundring verstärkt. Es darf kein Schweißgut in den Hahn gelangen. Nach dem Abkühlen folgt eine Betätigungsprobe, zum Bohren muss der Hahn ganz geöffnet sein.
Welche Dokumentation ist bei einer Anbohrung vorgeschrieben?
Nach AGFW-Arbeitsblatt FW 432 ist über jede Anbohrmaßnahme ein Anbohrprotokoll zu führen. Es hält unter anderem Leitungsdaten, Anbohrgröße, Ergebnis der Dichtheitsprüfung, Ablauf der Bohrung, Freigaben und die verantwortlichen Personen fest. Beim KÄHLER Anbohrservice ist das Protokoll Teil der Übergabe. Wer selbst anbohrt, lernt die Dokumentation in der Anbohrschulung.
Für wen lohnt sich eine Anbohrschulung?
Eine Schulung lohnt sich für Stadtwerke, Netzbetreiber und Rohrleitungsbauer, die regelmäßig Anbohrungen durchführen und dafür unabhängig bleiben wollen. KÄHLER schult praxisnah auf der Baustelle, beim Kunden oder in Burscheid, auf Wunsch mit Werksbesichtigung. Teilnehmer lernen Aufbau, Bedienung und Wartung des NAVAL-Anbohrgeräts, den sicheren Ablauf unter Druck und die Dokumentation und erhalten eine Bescheinigung nach AGFW FW 432.
Welche Ausrüstung braucht man, um selbst anzubohren?
Nötig sind ein NAVAL-Anbohrgerät mit Vorschubeinheit, Bohrspindel, Prüf- und Spülhahn und Bohrmaschine mit Winkelgetriebe, passende Nennweitenadapter, Lochsägen, Zentrierbohrer und Bohrerhalter sowie Anbohrkugelhähne in den gewünschten Nennweiten. Empfohlen werden außerdem Prüfkoffer, Anbohrmagnet, Schneidöl, Spülschlauch und persönliche Schutzausrüstung. Das Grundgerät deckt DN20 bis DN100 (DN20 mit separater Spindel) ab und lässt sich mit Erweiterungssets bis DN200 ausbauen.



